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Expedition ins Schwarzwaldtal

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Verkehrte Welt! Lina hängt an einem Seil an der falschen Seite des Brückengeländers. An normalen Tagen gibt unsere Elfjährige das Angsthäschen. Und heute: Augen strahlen. Mundwinkel nah an den Ohren. Wer hätte das gedacht? Lina wird gleich 15 Meter in die Tiefe abgeseilt. Aber sie macht den Eindruck, dass man möglichst langsam Seil geben sollte. Sie will jeden Moment genießen. So sieht es zumindest aus.

Kaum zu glauben, was dieser Urlaub an Überraschungen bereithält. Vielleicht die größte sind unsere Kids. Einmal mehr! Roman steht schon unten am Flüsschen. Der Neunjährige musste natürlich vorneweg, wie immer. Normalerweise ist ihm vor nichts bang. Als er aber am Brückengeländer hing, da war’s plötzlich verdächtig still. Alles okay, Roman? Man muss schon zugeben, dass sein „Ja“ nur mit einer gewissen Verzögerung zu hören war. So leise wie in den Momenten, in denen er am Seil hing, ist er selten. Erst als er unten stand und wieder sicheren Boden unter den Füßen spürte: Natürlich voll der Held, unser Roman. Klarer Fall.

Guide Clayton erzählt, dass er das oft erlebt. Mundwerk und Mut wären eben zwei Paar Schuhe, sagt er. Beim Abseilen an der Murgbrücke sieht man die Welt von einer ganz anderen Perspektive. Das würde jedes Kind beeindrucken, bestätigt Clayton – und nicht nur die. Wir sind mit der ganzen Familie tief in den Norden des Schwarzwalds eingetaucht. Bei der Adventure World haben wir das Murgtal gebucht. Und ich muss zugeben: In einem solchen Tag steckt mehr Abenteuer drin, als ich auf den ersten Blick gedacht hätte.

Für mich überraschend war das Flusswandern entlang der Murg. Darauf hatte ich mich besonders gefreut. Hört sich eigentlich ganz entspannt an, eher wie ein paar Kilometer Wanderweg neben einem kleinen Flüsschen. Aber meine Beine erzählen eine andere Geschichte. Nämlich die von kleinen und großen Tritten, von großer Achtsamkeit gegenüber jedem einzelnen Kiesel und von einer der Grundregeln des Lebens auf zwei Beinen: Achte bei jedem Tritt gefälligst genau darauf, wohin du ihn setzt.

Bei der Murg kommt erschwerend hinzu, dass man gerne mit den Augen spazieren geht. Ein ausgesprochen schönes Stück Schwarzwald hat sich der Guide für uns ausgewählt. Riesige Felsen bilden feine Gumpen. Wir turnen zwischen Buntsandstein und Granit umher. Sicherer Tritt ist gefragt. Die Arme müssen mitlaufen. Heimlich ertappe ich mich, wie sich gewisser Neid einstellt. Lina und Roman springen mit sichtbarer Leichtigkeit von Stein zu Stein. Dagegen komme ich mir schwerfällig vor. Aber ich würde wetten, dass die beiden am Abend ziemlich ausgepumpt sind. Auch dafür mag ich die Murg.

Wir befinden uns im mittleren Abschnitt des langen Tales. Gestartet sind wir ungefähr unterhalb der Schwarzenbach-Talsperre. Die letzte Challenge des Familienabenteuers startet in Forbach. Die Boote sind prall aufgepumpt. Soft-Rafting wird es genannt – und so genau will ich nicht wissen, was man als „Hard-Rafting“ bezeichnen würde. Warum auch? Schon die softe Variante macht riesig Spaß und das sogar meiner Frau, die erst skeptisch war. Vielleicht wie Lina heute morgen. Erst ruhig – und dann total furchtlos, wenn es gilt. Ich war ja im anderen Boot und habe von hinten gesehen, wie einfach es sein kann, wenn man es richtig macht. Das Prinzip ist recht simpel. In der kleinen Luftschale für drei Personen sitzt man auf den Knien. Der Hintere sticht das Paddel auf der anderen Seite des Vorderen in den Fluss. Für die Kommandos ist das erfahrene Steuerpersonal zuständig.

Murgtal

Ich muss schon zugeben: Bei unserer Crew mit Maria und Lina hat es wirklich elegant ausgesehen. Wie leichtes Gleiten durch die Stromschnellen. Womöglich hätte ich mich mehr auf unser Boot konzentrieren sollen, als den Beiden zuzuschauen. Kaum ging es los bei meiner Crew, hatten wir unser Schlauchboot bereits um 180 Grad gedreht – und das, obwohl Rückwärtspaddeln überhaupt nicht angesagt war. Wie gut, dass der Guide mit den richtigen Kommandos am Start war.  Wenn man es einmal verstanden hat, geht es wirklich gut. Zum Schluss hab ich mit Roman sogar ein paar Extraschichten gefahren. Die Strecke ist ungefähr 300 Meter lang. Der Fluß bietet an dieser Stelle ein paar Alternativen. So richtig kann ich es nicht beurteilen, aber ich glaube schon, dass wir am Ende so gut waren wie Lina und Maria. Angesichts der wunderbaren Natur im Murgtal darf man bei den beiden Frauen wirklich von echten Naturtalenten sprechen.

Alle Informationen über Adventure World unter www.murgtal-arena.de, mehr spannende Tagesausflüge im Schwarzwald unterwww.schwarzwald-tourismus.info